Corporate Design Agentur. Woraus sich der Preis zusammensetzt
Was eine Corporate Design Agentur kostet, ist keine Zahl, sondern eine Summe aus vier Posten: Umfang, Tiefe der Vorarbeit, Reinzeichnung und Nutzungsrechte. Alles andere ist Verhandlung über diese vier.
Deshalb sagt ein Preis für sich genommen nichts. Vergleichbar werden zwei Angebote erst, wenn beide diese vier Posten ausweisen.
Du hast Angebote eingeholt. Sie liegen um ein Vielfaches auseinander. Auf allen steht dasselbe Wort.
Ich schlüssele die vier Posten auf, sage, woran du ein seriöses Angebot erkennst, und wo der Preis kippt. Am Schluss sage ich, was mein eigenes Studio kostet. Das gehört meiner Meinung nach in einen Text über Preise.
Vier Posten bestimmen den Preis
Umfang. Ein Logo mit zwei Farben und einer Schrift ist eine Sache. Ein System aus Briefbogen, Angebotsvorlage, Präsentation, Website-Grundlagen, drei Social-Formaten, Beschriftung und Messematerial ist eine andere. Frag nach der Liste der Endprodukte. Fehlt sie, ist der Preis geraten.

Tiefe. Manche Projekte starten mit klarem Selbstverständnis. Andere müssen es erst erarbeiten. Workshops und Positionierungsarbeit kosten Zeit, und diese Zeit steht in seriösen Angeboten getrennt vom Gestaltungsanteil. Unsicher, ob du diese Ebene brauchst? Die Abgrenzung steht in Corporate Design oder Corporate Identity.
Reinzeichnung. Der unsichtbare Posten. Aus Entwürfen werden produktionsfertige Dateien: Vektorlogos in allen Varianten, Farben im richtigen Farbraum, Anschnitt, Exportvorgaben, saubere Benennung. Ein günstiges Angebot ohne Reinzeichnung ist kein günstiges Angebot. Es ist ein verschobenes.
Nutzungsrechte. Der Posten mit dem meisten Streitpotenzial. Einfache oder ausschließliche Rechte? Zeitlich und räumlich unbegrenzt? Darf ein Dritter dein Logo weiterentwickeln? Ein Zeichen, an das du niemanden ranlässt, wird in fünf Jahren teuer.
Dasselbe Wort meint drei Produkte
Das Startpaket. Logo, zwei bis drei Farben, eine Schriftfamilie, eine Handvoll Vorlagen, ein knappes Regeldokument. Wer gerade gegründet hat, kommt damit oft genau hin.
Das System. Zusätzlich Bildsprache, Raster, Anwendungen quer durch Print und Digital, ein vollständiges Corporate Design Manual mit Falschanwendungen und geordneter Dateistruktur.
Der Markenprozess. Zusätzlich Positionierung, Namensfindung, Tonalität, Abstimmung mit mehreren Beteiligten, Rollout über Monate.
Zwei Angebote über verschiedene Produkte kannst du nicht vergleichen. Wenn dir beim Nebeneinanderlegen die Orientierung fehlt, liegt das nicht an dir. Die Angebote sind selten so gebaut, dass man sie vergleichen kann.
Vergleich also erst die Leistungslisten, dann die Zahlen. Fehlt eine Liste, frag danach. Vor dem Preisgespräch, nicht danach.
Hier kippt der Preis
Korrekturschleifen ohne Grenze. „Unbegrenzte Korrekturen“ klingt kundenfreundlich. Meist ist das Gegenteil der Fall. Der Aufwand ist trotzdem eingepreist, nur unsichtbar, oder er wird über Tempo hereingeholt. Zwei bis drei definierte Runden mit klarem Feedbackprozess sind ehrlicher, für beide Seiten.

Fehlende Dateien. Am Ende ein PDF und ein PNG? Dann hast du kein Corporate Design gekauft, sondern ein Bild davon. Vektorlogos gehören zur Lieferung, offene oder zumindest exportfertige Dateien auch, Schriftlizenzhinweise ebenfalls.
Schriftlizenzen. Kommerzielle Schriften kosten Geld. Eine Desktoplizenz deckt Web nicht automatisch ab. Kläre vorher, wer die Lizenz hält und was sie abdeckt. Nachträglich wird das teuer.
Agentur, Studio oder Freelancer
Es gibt keine bessere Kategorie. Nur eine passendere. Im Kern entscheidest du nicht zwischen drei Anbietertypen, sondern zwischen Kapazität und Nähe.
Agentur. Mehrere Rollen, Projektmanagement, Kapazität für große Rollouts, Vertretung bei Ausfall. Dafür höhere Strukturkosten. Und meist mehr Abstand zwischen dir und der Person, die tatsächlich gestaltet.
Kleines Studio. Du sprichst mit der Person, die entwirft. Kurze Wege, weniger Übersetzungsverluste, niedrigere Strukturkosten. Dafür begrenzte Kapazität bei sehr großen Vorhaben.
Freelancer für Einzelleistungen. Sinnvoll, wenn das System schon steht und Umsetzung gebraucht wird. Weniger sinnvoll, solange grundlegende Entscheidungen offen sind.
Kurz zum Standort, weil viele in Berlin gezielt vor Ort suchen: Nähe hilft bei Workshops, bei Fotoproduktionen und bei allem, was man anfassen muss. Papier, Muster, Farbproben. Sonst ist sie kein Qualitätsmerkmal. Such nach Passung, nicht nach Postleitzahl.
Klär vier Dinge vorher
Vier Antworten, die jedes Angebot präziser machen. Und meistens günstiger. Nimm dir fünf Minuten, bevor du das erste Gespräch führst.

- Was du in einem Jahr brauchst. Nicht in fünf. Aufgeblähte Angebote entstehen aus Wunschlisten, die niemand priorisiert hat.
- Wer entscheidet. Ein Projekt mit einer entscheidungsbefugten Person kostet weniger als dasselbe Projekt mit vier Meinungen und keinem Votum.
- Was du schon hast. Fotos, Texte, eine Domain, eine Schrift, an der du hängst. Was steht, muss niemand bezahlen.
- Woran du merken würdest, dass es funktioniert. Nicht „modern“ oder „hochwertig“, sondern prüfbar: Menschen erkennen dich wieder, du schämst dich nicht mehr für deine Angebotsvorlage, dein Team baut keine eigenen Vorlagen mehr.
Bring diese vier Notizen ins erste Gespräch mit. Du wirst sehen, wie schnell sich seriöse von unseriösen Angeboten trennen. Ein gutes Gegenüber fragt an dieser Liste weiter, statt sofort eine Zahl zu nennen.
Meine Preise stehen online
Ich arbeite als Ein-Personen-Studio in Berlin. Du sprichst mit der Person, die gestaltet. Mit sonst niemandem.
Meine Leistungen sind auf soulvision.studio als bepreiste Journeys aufgeschlüsselt, damit du nicht raten musst. Die Brand-Identity-Journey startet bei 1.500 € und deckt Markenkern, Logo, Farbsystem, Typografie und Anwendung ab. Die Complete-Vision-Journey startet bei 4.500 € und nimmt Web und Print dazu. Brand-Material, also Geschäftsausstattung und einzelne Druckstücke, beginnt bei 480 €, Print und Editorial bei 650 €, Web bei 900 €. Einzelleistungen gehen auch.
Fachlich komme ich aus über 10 Jahren Praxis in Agentur und Inhouse. Art Direction, Reinzeichnung, Druckproduktion. Gelernt habe ich dabei vor allem, wo ein Projekt teuer wird. Nicht im Entwurf. In den Dateien, die danach niemand mehr prüft.
Was ich nicht mache
Ich schalte keine Kampagnen. Ich gestalte Anzeigen, das Media Buying macht jemand anderes. Keine Unternehmensberatung. Keine Rechts- oder Steuerthemen. Keine Marktforschung.
Und eine Sache kann ich schlicht nicht liefern, deshalb sage ich sie dazu: Ich kann dir sagen, was ein System kostet. Ich kann dir nicht sagen, wie viele Anfragen es dir bringt. Das hängt an zwanzig Dingen, die nicht auf meinem Tisch liegen.
In der Preisdiskussion meiner Branche gibt es einen wunden Punkt. An der Reinzeichnung wird gespart, und dazugesagt wird es nicht. Bemerkt wird es erst, wenn die Druckerei anruft. Weil hinter jeder Marke ein Mensch steht, fange ich lieber bei dir an als bei deiner Branche. Die Branche spielt für mich keine Rolle.
Willst du vorher sehen, wie fertige Systeme aussehen: Corporate Design Beispiele. Bist du noch bei den Grundlagen: Was ist Corporate Design.
Welche Schritte du für dieses Geld tatsächlich bekommst und in welcher Reihenfolge sie ablaufen, zeigt der Gesamtüberblick zum Corporate Design.
Du hast jetzt vier Notizen, mit denen du in jedes Gespräch gehen kannst.
Und eine Frage, die dein Bauch schneller beantwortet als jede Tabelle: Würdest du bei diesem Gegenüber selbst arbeiten wollen?
Wenn dein Auftritt deiner Arbeit hinterherhinkt, schauen wir gemeinsam drauf. Ein Gespräch, in dem du zeigst, was du hast, und ich dir sage, was ich sehe. Ohne Präsentation, ohne Verkaufsrunde. Danach weißt du, ob ein System dran ist oder erstmal etwas anderes.
Ein Angebot ohne Leistungsliste ist ein Preisschild ohne Ware. Du siehst die Zahl und weißt trotzdem nicht, was du bekommst.
Häufige Fragen
Was kostet ein Corporate Design bei einer Agentur?
Der Preis hängt an vier Größen: Umfang, Tiefe der Vorarbeit, Reinzeichnung und Nutzungsrechte. Bei SoulVision Studio startet die Brand-Identity-Journey bei 1.500 € und das vollständige Paket mit Web und Print bei 4.500 €. Angebote ohne Leistungsliste sind nicht vergleichbar.
Woran erkenne ich eine gute Corporate Design Agentur?
An drei Dingen: Sie fragt nach deinem Geschäft, bevor sie über Gestaltung spricht. Sie legt eine Leistungsliste mit Endprodukten vor. Und sie sagt klar, welche Dateien und welche Nutzungsrechte du am Ende bekommst.
Agentur oder Freelancer, was ist besser für kleine Unternehmen?
Für kleine Unternehmen ist meist ein kleines Studio oder ein Freelancer passender, weil du direkt mit der gestaltenden Person sprichst und keine Strukturkosten mitfinanzierst. Agenturen lohnen sich bei großen Rollouts mit vielen parallelen Gewerken.
Was gehört in ein seriöses Angebot für Corporate Design?
Eine Liste der Endprodukte, die Anzahl der Korrekturrunden, der Umfang der Reinzeichnung, die gelieferten Dateiformate, die Nutzungsrechte und die Frage der Schriftlizenzen. Fehlt einer dieser Punkte, ist der Preis noch keine Aussage.
Wie lange dauert ein Corporate Design Projekt?
Für ein knappes System einige Wochen, für ein vollständiges mit Strategiearbeit eher Monate. Der Gestaltungsanteil ist selten der Engpass. Freigaben, Rückfragen und offene Grundsatzentscheidungen bestimmen den Takt.
Muss die Agentur in meiner Stadt sitzen?
Nur für die Teile, die man anfassen muss: Workshops, Fotoproduktionen, Papier- und Farbmuster. Alles andere funktioniert ortsunabhängig. Nähe ist ein Bonus, kein Qualitätsmerkmal.
Über den Autor
Christopher Hackmann ist Brand- und Kommunikationsdesigner in Berlin und Gründer von SoulVision Studio, einem Ein-Personen-Studio. Er hat einen Bachelor in Grafikdesign und Visueller Kommunikation der HMKW Berlin und ist ausgebildeter Mediengestalter Digital und Print (IHK). Aus über 10 Jahren Praxis in Agentur und Inhouse kennt er beide Seiten des Tisches: Art Direction und Kundenkommunikation ebenso wie Reinzeichnung, Druckdatenerstellung und Dateiorganisation. Heute gestaltet er visuelle Identitäten für Menschen, die fachlich stark und visuell unsichtbar sind, auf Wunsch mit dem astrologischen Chart als zusätzlicher Lesart (seine Ausbildung dazu läuft noch).
